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Mittwoch, 20. Mai 2015

"Man sitzt irgendwo (auf der Welt) und schreibt!"

Friedrichshafen - Vor rund 100 Zuhörern im Häfler Dornier Museum haben drei namhafte Journalisten von ihrer täglichen - und doch alles andere als alltäglichen - Arbeit als Reporter bei Einsätzen auf der ganzen Welt erzählt.


In einer recht lebhaften Diskussionsrunde mit Christoph Plate, stellvertretender Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg, gaben Daniela Schröder, Michael Stührenberg und Daniel Puntas Bernet (Foto: TS) Einblicke in die Recherche und Vorbereitung eines Projekts und fesselten ihr Publikum mit spannenden Auszügen ihrer Reisereportagen aus Indien, Bolivien oder Mali.

Während der in Paris lebende Stührenberg sich und seine Arbeitsweise als "mitunter chaotisch und ziemlich unstrukturiert" beschreibt, sieht sich die Wahl-Hamburgerin Schröder eher als "Eichhörnchen, das alle Informationen erst einmal sammelt und sich dann die goldenen Nüsse herauspickt". In ihrem Stück über Indien geht es um einen Fabrikanten für Damenbinden - einen "Menstruations-Mann" wie die Autorin scherzte. Dieser Begriff sei zunächst der Arbeitstitel gewesen.

Schließlich erhielt ihr Text, der im Schweizer Magazin "Reportagen" erschienen ist, die Überschrift "Der Mann für die Tage". Dies verriet unter dem Gekicher der anwesenden Gäste Daniel Puntas, der das "Weltgeschehen im Kleinformat" selbst herausgibt. Als ehemaliger Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) habe er ziemlich schnell gemerkt, dass dieser Job auf Dauer nichts für ihn ist beziehungsweise wäre. Deshalb entschloss er sich vor vier Jahren dazu, das Magazin herauszubringen.

Doch bis es soweit gewesen ist, galt es, jede Menge Klinken in der Schweiz zu putzen. "Gute Ideen erfordern eben immer auch das nötige Kleingeld", warf Moderator Plate passend ein. Puntas besorgte sich die Liste der 300 reichsten Schweizer und klapperte diese ab - per Mail, Brief oder Telefon. Nach unzähligen Absagen, gewann er irgendwann Fürsprecher und scharrt mittlerweile ein kleines Team um sich, das von Bern aus arbeitet.

Und Michael Stührenberg, der - neben Geo und vielen anderen - eben auch für "Reportagen" schreibt, hat bereits eine neue Idee im Kopf, für die er noch finanzielle Unterstützer sucht. Dann könnte er wieder das tun, was er am liebsten macht: "Irgendwo (auf der Welt) sitzen und schreiben." Zur Not kürzen Puntas Bernet und seine Mitarbeiter die Ausführungen von mitunter über 70.000 Zeichen eben - zumindest etwas.

Montag, 10. Februar 2014

Eine Abstimmung, die einige Fragen aufwirft

Bern - Mit einer ziemlich knappen Mehrheit haben unsere Schweizer Nachbarn für eine Art "Einreisestopp" von Ausländern gestimmt. 50,34 Prozent der Eidgenossen sprachen sich dafür aus, spätestens in drei Jahren - so lange hat die Regierung Zeit - den Zuzug von Menschen, die keinen Pass der Confoederatio Helvetica (CH) haben, zu verhindern beziehungsweise weitestgehend einzuschränken.


Nun, was soll man davon halten? Die prozentuale Abstimmung macht sehr deutlich, dass das betroffene Land selbst nicht ganz sicher ist, was es eigentlich wirklich möchte. Ich finde den Entscheid in der heutigen Zeit sehr bedenklich und halte ihn für gefährlich, glaube an aufkommende Konflikte in, um und durch die Nation, die sonst für ihre schönen Berge und den leckeren Käse bekannt ist.

Ich finde nur, dass die "Schweizer", die für diese Beschränkung gestimmt haben, leider etwas ganz Wesentliches vergessen haben. Erst die vielen (Kriegs)Flüchtlinge und wohlhabenden Menschen, die anderswo Steuern sparen wollen, haben die Eidgenossenschaft erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Eine Nation, das sich noch immer neutral und unbeteiligt zeigen kann - vor allem in Hinblick auf Belange der EU.

Zwar ist das Land Mitglied des europäischen Handelsabkommens und hat seine Grenzen gemäß dem Schengener Abkommen geöffnet, doch die Schweiz ist und bleibt ein Volk ohne echte eigene Identität. Das hat dieses Abstimmung nun eindrucksvoll bewiesen. Und genau darin liegt der so genannte Hase im Pfeffer. Was wäre dieser demokratische Staat ohne Größen mit Migrationshintergrund? Spontan fallen mir da Sportler wie Martina Hingis, Stanislas Wawrinka, Gelson Fernandez, Admir Mehmedi oder Xherdan Shaqiri ein.