Mittwoch, 5. Juni 2013

Urs Meier: "Einer pfeift eben immer!"

Weingarten - Urs Meier hat mit seinem Vortrag "Zwischen den Fronten. Entscheidungen treffen - Mit Druck umgehen" im Best Western Parkhotel für Begeisterung gesorgt. Der 54-jährige ehemalige FIFA-Schiedsrichter schilderte anhand von Beispielen aus "seinem Sport", wie wichtig es ist, sich schnell beziehungsweise überhaupt festzulegen, oder wie er es auf Schwizzerdütsch nennt: "Einen Entscheid zu treffen."


"Eine gute Entscheidung getroffen" hatten auch die rund 50 Gäste des Abends, die der Referent aus der Schweiz in seinen Vortrag der Reihe "Unternehmen Erfolg" in Kopperation mit Schwäbisch Media miteinbezogen hatte. Immer wieder hielt er Beispiele von internationalen Spielen aus seiner Karriere an und ließ das Publikum "einen Entscheid treffen". Zögerlich gingen die Hände hoch, ob es nun ein Tor war oder nicht. "Soviel Zeit hätten sie im Spiel nicht gehabt", erklärt Meier und grinst.

Der ZDF-Regelexperte lebt inzwischen im südspanischen Marbella, entsprechend braungebrannt kam er daher. Seine Gesichtszüge wirkten entspannt, das Haar saß - wie schon in seiner aktiven Zeit - perfekt und der dunkle Anzug über dem weißen Hemd mit roter Krawatte wirkte ihm auf den gut austrainierten Leib geschneidert. Gut in Form müssen sie auch sein, diese Schiedsrichter. Schließlich laufen sie während eines Spiels bis zu zwölf Kilometer - und das bei einer durchschnittlichen Pulsfrequenz von 160.

In so mancher Partie wäre es nicht so aufregend gewesen, manchmal jedoch viel zu intensiv. Da wurde er auf dem Platz nach angeblichen Fehlentscheidungen belagert oder im Privatleben verfolgt - die englische Presse jagte ihn 2004 bis auf das eigene Firmengelände, Fans bedrohten Freunde und Familienmitglieder. Urs Meier bekam Morddrohungen und über 16.000 Mails, "die mich nicht gerade mit Lob überhäuften".

Es ehrt ihn, dass er selbst in dieser schweren Zeit - Meier hatte England bei der EM ein regelwidriges Tor zurecht aberkannt - nicht zerbrach, mit dem Druck umgegangen ist, eben eine - diese Entscheidung getroffen hat. "Ihr könnt Euch vorstellen, was passiert wäre, wenn Portugal in der Nachspielzeit beim Gegenangriff getroffen hätte." Haben die Portugiesen allerdings nicht, zum Glück. Doch: "Einer pfeift eben immer!"

Sonntag, 2. Juni 2013

Das erste "Triple" der FCB-Geschichte ist perfekt

Berlin - Der FC Bayern München hat seine Rekordsaison gekrönt. Dank des hart erkämpften 3:2-Erfolges im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart sicherte sich der Rekordmeister das geschichtsträchtige Triple. Das hatte zuvor nicht einmal die sagenhafte Elf um Franz "Kaiser" Beckenbauer in den 1970er Jahren geschafft.


Um exakt 22:11 Uhr Ortszeit war es im Berliner Olympiastadion soweit, als FCB-Kapitän Philipp Lahm den goldenen Pokal in die Höhe reckte. Seine Mitspieler tanzten und jubelten im gleichfarbigen Konfettiregen, als wäre es der erste Titel nach Jahren gewesen (Foto: dpa). Dabei durfte sich der FC Bayern vergangenen Samstag über den Champions League-Sieg und eine Woche zuvor über die Meisterschale freuen.

Es war und ist exakt diese Freude oder dieser Hunger, der die "Roten" von der Isar auszeichnete - diese Gier nach Titeln. Dabei war der VfB nicht weniger entschlossen, insbesondere Martin Harnik ging giftig und körperbetont zur Sache. Und das von Anfang an, als die Bayern - wie schon gegen Borussia Dortmund - nicht richtig bei der Sache waren. Folgerichtig hatten die Schwaben zwei riesige Möglichkeiten.

So zum Beispiel in der 22. Minute, als Manuel Neuer gleich zweimal überragend parierte. Eine Viertelstunde später brachte Ibrahima Traoré den mutig in den Strafraum marschierenden Lahm zu Fall - Elfmeter. Thomas Müller zeigte keine Nerven und verlud den machtlosen Sven Ulreich im VfB-Tor (37.). In dieser Phase wurde der Favorit stärker, Franck Ribéry und Arjen Robben rissen das Spiel an sich. Im Sturmzentrum bekam überraschend Mario Goméz den Vorzug vor Mario Mandzukić - mit Recht.

Denn in der 48. und 61. Minute war der Torjäger zur Stelle und machte das, was er am besten kann - einnetzen. Da war die Partie eigentlich entschieden. Bis, ja bis der FC Bayern München nur noch für die Galerie spielte und den VfB Stuttgart teils vorführen wollte. Das ließen sich Harnik und Co. nicht gefallen und gingen auf Risiko. Dieser Offensivdrang sollte sich lohnen, denn Martin Harnik traf gleich doppelt (71., 80.). Doch am Ende schaukelte die Heynckes-Elf das spannende Spiel souverän nach Hause.